Zinsmagie

Welcher ETF ist der beste?

Die ehrliche Antwort, und die vier Kriterien, mit denen du es selbst beurteilen kannst.

Kurze, unbequeme Antwort: Den einen besten ETF gibt es nicht. Wer dir einen konkreten ETF als „den besten" verkauft, hat meistens etwas davon. Die gute Nachricht: Für langfristigen Vermögensaufbau ist die Auswahl viel unwichtiger, als sie sich anfühlt, wenn du vier Kriterien verstanden hast.

Warum die Frage falsch gestellt ist

„Der beste ETF" klingt nach einer Rangliste, die man nur googeln muss. Aber die Rendite eines breit gestreuten ETFs kommt vom Markt, den er abbildet, nicht vom Produkt selbst. Zwei solide ETFs auf denselben Index liegen im Ergebnis meist nah beieinander, kleine Unterschiede entstehen durch Kosten und die sogenannte Tracking-Differenz, also wie genau der ETF seinem Index folgt. Die Frage ist also nicht „welches Produkt", sondern „welcher Markt, wie breit, zu welchen Kosten". Das haben Vertreter des passiven Investierens wie Gerd Kommer und John Bogle über Jahrzehnte mit Daten belegt: Nicht die Produktauswahl entscheidet, sondern breite Streuung, niedrige Kosten und Dranbleiben.

Die vier Kriterien, die wirklich zählen

1. Breite Streuung. Ein Welt-Index wie der MSCI World (rund 1.500 Unternehmen aus Industrieländern, Stand 2026) oder der FTSE All-World (zusätzlich Schwellenländer) verteilt dein Geld über tausende Firmen, Branchen und Länder. Geht eine Firma unter, merkst du es kaum. Je enger der Index (eine Branche, ein Land, ein Trend-Thema), desto mehr wettest du, statt anzulegen.

2. Niedrige laufende Kosten (TER). Breite Welt-ETFs kosten oft 0,1 bis 0,25 Prozent pro Jahr. Klingt nach nichts, entscheidet über Jahrzehnte aber über zehntausende Euro, weil die Kosten mit demselben Zinseszins-Hebel gegen dich arbeiten wie die Rendite für dich. Wie stark, haben wir hier durchgerechnet.

3. Ausreichende Größe, Alter und saubere Indexabbildung. Ein Fondsvolumen ab einigen hundert Millionen Euro und ein paar Jahre Historie zeigen, dass der ETF etabliert ist und nicht bald geschlossen und verschmolzen wird. Eine Schließung ist kein Geldverlust, aber Aufwand und möglicherweise ein Steuerereignis.

4. Thesaurierend oder ausschüttend, passend zu deinem Ziel. Thesaurierend legt Erträge automatisch wieder an, ideal in der Aufbauphase, weil der Zinseszins ohne dein Zutun weiterläuft. Ausschüttend zahlt dir die Erträge aus, interessant, wenn du von den Erträgen leben willst.

Und welcher Index nun?

Für die meisten Einsteiger läuft es auf einen breiten Welt-Index hinaus, das ist der Kern des „Weltportfolio"-Gedankens, wie ihn etwa Gerd Kommer beschreibt. Ob MSCI World, FTSE All-World oder MSCI ACWI ist dabei eine Detailfrage (mit oder ohne Schwellenländer), keine Grundsatzfrage. Alle drei sind breit, günstig abbildbar und langfristig eng beieinander. Nimm dir für den Vergleich 20 Minuten Ruhe und prüfe die vier Kriterien, dann kannst du jede „Geheimtipp"-Liste entspannt ignorieren.

Was am Ende wirklich den Unterschied macht

Nicht das Produkt, sondern dein Verhalten: früh anfangen, automatisch besparen, bei Rücksetzern nicht verkaufen. Das Renditedreieck zeigt, dass beim MSCI World historisch fast jeder lange Haltezeitraum im Plus endete, egal wie schlecht der Einstiegszeitpunkt gewählt war. Und wie viel aus deiner Sparrate über die Jahre wird, rechnest du in zwei Minuten selbst durch.

Häufige Fragen

Ist der MSCI World der beste ETF-Index?

Er ist der bekannteste breite Welt-Index und für viele ein solider Kern. „Der beste“ ist er nicht automatisch: Ihm fehlen Schwellenländer, die ein FTSE All-World oder MSCI ACWI enthält. Beide Ansätze sind vertretbar, wichtiger als die Indexwahl sind Streuung, Kosten und Dranbleiben.

Sollte ich mehrere ETFs kombinieren?

Für den Anfang reicht vielen ein einziger breiter Welt-ETF, das ist bereits über tausende Unternehmen gestreut. Kombinationen (zum Beispiel Welt plus Schwellenländer) können sinnvoll sein, machen es aber komplexer, ohne dass der Effekt für Einsteiger groß wäre.

Sind Themen-ETFs (KI, Wasserstoff, Clean Energy) eine gute Idee?

Sie sind eng gestreute Wetten auf einen Trend, oft teurer und historisch häufig enttäuschend, gerade wenn sie nach einem Hype aufgelegt wurden. Als Beimischung Geschmackssache, als Kern des Vermögensaufbaus ungeeignet.

Wie oft sollte ich meinen ETF wechseln?

Im Idealfall fast nie. Häufiges Wechseln erzeugt Kosten, möglicherweise Steuern und verführt zum Markt-Timing. Wenn die vier Kriterien beim Kauf gestimmt haben, ist Liegenlassen meist die beste Strategie.

Keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung. Alle Inhalte sind allgemeine Information. ETFs unterliegen Kursschwankungen, dein Kapital kann an Wert verlieren. Historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.

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Albert Einstein

„Zinseszins ist das achte Weltwunder. Wer es versteht, verdient daran. Wer es nicht versteht, zahlt drauf."

Albert Einstein zugeschrieben