Du suchst dir den perfekten ETF aus, richtest den Sparplan ein, lehnst dich zurück. Und übersiehst dabei die eine Zahl, die über Jahrzehnte mehr ausmacht als fast alles andere: die Kosten. Klingt nach Kleinkram. 1 Prozent pro Jahr, was soll das schon sein. Genau das ist die Falle.
Die eine Zahl, auf die kaum jemand schaut
Jeder ETF und jeder Fonds knapst sich jedes Jahr einen kleinen Prozentsatz von deinem Vermögen ab, die laufenden Kosten (bei ETFs heißt das TER, Gesamtkostenquote). Bei einem breiten Welt-ETF sind das typischerweise 0,1 bis 0,25 Prozent (Stand 2026, je nach Anbieter). Bei einem aktiv gemanagten Fonds schnell 1,5 bis 2 Prozent, manchmal mehr.
Der Haken: Diese Kosten ziehen nicht nur an deinem Einsatz. Sie ziehen jedes Jahr auch an den Zinsen, die deine Zinsen längst verdient haben. Der Zinseszins arbeitet für dich, die Kosten arbeiten mit demselben Hebel gegen dich.
Rechnen wir es einmal durch
Nimm ein ganz normales Beispiel: 5.000 Euro Startkapital, 250 Euro im Monat, 25 Jahre lang, 7 Prozent Rendite im Jahr.
Mit einem günstigen ETF (0,2 Prozent Kosten) landest du bei rund 225.000 Euro. Mit einem teuren Produkt (1 Prozent Kosten) sind es nur noch 196.000 Euro. Der Unterschied: rund 28.000 Euro. Für nichts. Für dieselbe Rendite, dasselbe Sparen, dasselbe Warten. Nur weil ein Produkt jährlich 0,8 Prozentpunkte mehr abzwackt.
Und je länger du dabei bist, desto brutaler wird die Schere. Über 35 oder 40 Jahre wächst der Abstand weiter, weil die Kosten den Zinseszins mit jedem Jahr stärker ausbremsen.
Warum das so wehtut (und keiner es merkt)
Das Gemeine an den Kosten ist, dass du sie nie überweist. Sie tauchen auf keiner Rechnung auf, es bucht nichts von deinem Konto ab. Sie werden einfach still vom Fondsvermögen abgezogen, jeden Tag ein winziges Stück. Du siehst nur eine etwas niedrigere Rendite und denkst dir nichts dabei.
Deshalb ist es wie mit einem Abo, das du vor Jahren abgeschlossen und vergessen hast: Es läuft im Hintergrund, tut nicht weh, und über die Jahre kostet es ein Vermögen.
Was du konkret tun kannst
Keine Sorge, du musst das nicht selbst nachrechnen. Zieh im Zinseszins-Rechner einfach den Kosten-Regler von 0,2 auf 1 oder 2 Prozent und schau zu, wie das Endkapital schmilzt. Das ist die ganze Lektion in zehn Sekunden.
Drei nüchterne Punkte, mehr braucht es nicht:
1. Bei den laufenden Kosten (TER) hinschauen, bevor du kaufst. Sie stehen im Factsheet, ein Wert, eine Sekunde.
2. Verstehen, dass klein hier nicht klein ist. 0,2 gegen 1,0 Prozent klingt nach nichts und ist über Jahrzehnte fünfstellig.
3. Nicht in Panik alles umschichten. Wenn du schon ein teures Produkt hast, kann ein Wechsel Steuern und Aufwand auslösen. Erst rechnen, dann entscheiden, nicht aus dem Bauch.
Kosten sind der einzige Teil deiner Geldanlage, den du fast sicher kontrollieren kannst. Die Rendite kannst du dir nicht aussuchen, die Kosten schon. Genau deshalb lohnt sich der eine Blick.
Häufige Fragen
Was ist die TER bei einem ETF?
Die Total Expense Ratio, die jährlichen laufenden Kosten eines Fonds in Prozent des Fondsvermögens. Sie wird nicht abgebucht, sondern täglich anteilig vom Fondsvermögen abgezogen, du siehst sie nur als etwas niedrigere Rendite. Nicht enthalten sind Handelskosten innerhalb des Fonds und deine eigenen Kauf- und Depotkosten.
Welche TER ist gut?
Breite Welt-ETFs liegen oft zwischen 0,1 und 0,25 Prozent pro Jahr. Deutlich teurere Produkte sollten einen sehr guten Grund haben, meistens haben sie keinen. Bei gleicher Streuung gilt: je günstiger, desto besser.
Soll ich einen teuren Fonds sofort verkaufen?
Nicht reflexhaft. Ein Verkauf kann Steuern auf aufgelaufene Gewinne auslösen und will durchgerechnet sein. Oft ist es sinnvoll, neue Sparraten in ein günstiges Produkt zu lenken und den Altbestand separat zu bewerten, im Zweifel mit unabhängiger Beratung.
Keine Anlage-, Steuer- oder Finanzberatung. Alle Inhalte sind allgemeine Information. ETFs unterliegen Kursschwankungen, dein Kapital kann an Wert verlieren. Historische Wertentwicklung ist kein verlässlicher Indikator für die Zukunft.